TEXT1.Das Buch – ein Container voller Ideen
::- die Schiene des Wortes, des Satzes, des Codex ist verlassen !
::- Reproduktionen und Multiplikationen fehlen!!
::- das Produzierte provoziert zum Produzieren,
aufgrund der Konstellation
des Arrangements
der verwendbarkeit der Elemente
einfach des Ungewohnten
::- das Buch bleibt Assoziation!!
::- die Geschichten sind nicht aufgeschrieben
das Objektbuch erzählt sich selbst!
Das Objektbuch ist eine Denkprovokation
Es wird individuell gelesen
aufgelesen
verlesen . es wird erlebt!
Wie die Realität ist die Wahrnehmung vielschichtig!
Das Objektbuch ist Handwerk - materialisiertes Denkrelikt !
Es ist international ! – esperantorisch !!
Objektbücher / Buchobjekte sind Suchobjekte!
Juli 2000 Klaus Groh
2.DR. KLAUS GROH, HEIDEDAMM 6 - D- 26188 EDEWECHT
--(statt eines Manifests)--
Der Horizont und die Poesie
Der Horizont ist eine tatsächliche aber fiktive Erscheinung im realen menschlichen Umfeld. Ebenso ist die Poesie als Trennlinie zwischen realem Alltag und der artifiziellen, künstlichen konstruierten Sprache eine Fiktion wie die Existenz des Horizonts. Poesie und Horizont haben parallele Einordnugsgedanken.
1.- Der Horizont ist eine sichtbare nicht-reale Grenze .
Grenzen ermöglichen Aktivitäten, mit dem Ziel, diese zu erreichen, bzw. diese zu überschreiten. Jede Grenzüberschreitung ist eine Erweiterung der menschlichen Intelligenz, eine Erweiterung menschlicher Aktivität, also die einzige Triebfeder für fortschrittliches Denken und Handeln.
2.- Der Horizont ist die scheinbare Linie , die den Himmel vom Meer und der Landschaft trennt.
Der Horizont ist eine Grenze, die nicht da ist. Sie trennt oben von unten, Himmel von Erde, Existierendes von Fiktivem. Die Begrenzung nach unten, die meßbare Erde, ist real vorhanden; die Begrenzung nach oben, der schier unermeßliche Himmel mit dem gesamten Universum, ist zwar fiktiv vorhanden, aber im Grunde nie sichtbar, nie absolut meßbar. Hier werden tagtäglich neue Entdeckungen gemacht, die alle vorherigen Resultate revidieren und erweitern. Ebenso ist die experimentelle Poesie eine ständige offene gespannte Triebfeder für poetisches Handeln.
3.- Der Horizont ist der Gesichtskreis, wenn man nach vorn schaut.
Reduziert wird der Blick zum Horizont durch die jeweils seitliche Begrenzung des Gesichtskreises. Nur durch Bewegung (des Kopfes) erfolgt eine Erweiterung des Gesichtskreises. In der Poesie ist es der jeweils gelernte, bekannte, wiedererkannte Bereich des lesbaren und verstehbaren Ausschnittes der konstruierten, künstlichen, künstlerischen, ästhetischen Verarbeitung von Sprache und Sprachmaterial. Dazu gehört der gesamte Bereich der Sprachnotation von der bekannten, gelernten Schrift bis zu Zeichen gegenseitiger Abmachung, vom Piktogramm bis zur archetypischen Erklärungszeichnung. Das alles ist zugleich der gesamte Forschungsbereich poetischer Experimente.
4.- Beim Betrachten des Horizonts ist der Betrachter immer im Mittelpunkt.
Wie auch beim horizontalen Erfassen von Welt und Umwelt befindet sich bei der sprachlichen Auseinandersetzung der handelnde Betrachter als der alleinige im Mittelpunkt des Geschehens. Ob es dann die reine Kommunikation oder auch die einfache Information auf verbaler, sprachlichen Ebene ist, das spielt keine Rolle. Auf den Horizont bezogen, kann nur der Betrachter allein etwas entdecken, wahrnehmen oder verarbeiten, weil nur das infrage kommt, was sein persönliches Gesichtsfeld zeigt. Nur das ist das gesamte Vorhandene, was kein anderer im gleichen Augenblick erkennen oder sehen kann. Poetische Resultate sind subjektive individuelle Expressionen mit individuellen subjektiven Gestaltungsprinzipien, wie auch in den bildenden und darstellenden Künsten. Wie bei allen künstlerischen „Erfindungen“ gibt es keine verbindliche Qualitätsmaßstäbe. Die Bereitschaft zum Dialog ist das Prinzip der Akzeptanz.
5.- Der Horizont teilt die Himmelskugel in zwei Hälften.
Die Himmelskugel, wiederum als hilfreiche Fiktion, umfaßt das Ganze: das real nachvollziehbare sowie das fiktiv konstruierte. Das Gesamte ist das Universum mit all seinen menschlichen Inhalten, hier wiederum , das vom real Faßbaren bis zu dem vom menschlichen Geist, von der Menschlichen Intelligenz her dazugefügtem, was für das menschliche Existieren einfach notwendig ist. Der Mensch braucht die Poesie als Kraftquelle für geistiges Training im intelligenten Ausdruck. Ebenso ist der Horizont notwendig für eine Orientierung im Raum schlechthin, obgleich in der Schiffahrt, zum Beispiel, eine Orientierung an fiktiven Orientierungszeichen fatal ausgehen würde. Das heißt, das der gesamte Bereich der Poesie für reines Vegetieren, für ein animalisches Dahinleben überflüssig ist. Die Poesie ist eine fiktive Energiequelle im kommunikativen intelligenten Zusammenleben. So wird aus der Fiktion eine ernst zu nehmende reale Größe.
6.- Es gibt den natürlichen und den scheinbaren Horizont:
Reduziert man das ganze auf den nahen meßbaren, direkt meßbaren Bereich einer realen Landschaft, so ist der Horizont aus einer konstanten Position heraus eine feste geometrische, geographische Größe. Man ist in der Lage, über eine Entfernungsmessung den eigenen Standpunkt und das Ende des sichtbaren Bereiches mit Zahlen festzulegen. So ist der Horizont bei 50m Höhe exakt 27km weit vom Betrachter entfernt, bei 100m Höhe exakt 38km weit und bei 1000m Höhe ganz genau 120 km weit entfernt Hat man sich im poetischen Bereich ein bestimmtes Wissen angeeignet, sei es durch Lernen, durch vieles Umgehen mit dem Phänomen, durch eine weite Aufgeschlossenheit für kommunikative Experimente, durch eigenes erfolgreiches Probieren und andere Aneignungsmöglichkeiten, so ist das für viele befremdende nicht mehr fremd oder ungewohnt. Poesie erweitert sich ständig, umgekehrt erweitert sich auf gleichem Wege der individuelle Horizont des poetischen Tuns.
7. horizontal = waagerecht.
Der Horizont ist gerade. Er reicht vom linken bis um rechten Gesichtsfeld, dreht man sich, wird das Gesichtsfeld zum Kreis geschlossen. Es gibt keinen Anfang und kein Ende, eine Unterbrechung kann überall erfolgen, ich kann überall aufhören, hinzuschauen, wobei dann an der Stelle im gleichen Augenblick ein Neuanfang beginnt. Der Horizont beschreibt eine unendliche gerade Linie ohne Anfang und Ende, eine Linie wie in einem Kreis, eine kreisende Linie. Die Poesie hat sich seit den ersten Anfängen von der einfachsten menschlichen Verbalkommunikation ständig weiterentwickelt, absolut geradlinig, immer in eine Richtung, geradeaus nach vorn. Sprachliche poetische Rückentwicklungen entstehen nur dort, wo Defekte im menschlich-geistigen Handeln auftreten: bei Krankheiten und Verletzungen des menschlichen Denkapparates. Eine komprimierte Sprachentwicklung von den ersten Anfängen bis zur poetischen Vollendung als ständige Wiederholung im Zeitrafferbereich vollzieht sich bei der Entwicklung der Sprachfähigkeit immer wieder bei jedem einzelnen Menschen vom Kleinkind bis zum Erwachsenen.
Die Poesie ist ein Teil des menschlichen Daseins, wie der Horizont ein nicht wegzudenkender Aspekt bei er Erfassung von Welt und Umwelt eine Rolle spielt.
Dr.Klaus Groh
November 1998
VI. Biennale in Mexico-City
Ps.: my e-mail address is : klaus-groh@nwn.de
3.Mail Art und die Experimentellen Poesie
-Vergleich und Ergänzung-
( Dr. Klaus Groh)
-Beide Kunsterscheinungen finden überwiegend außerhalb gängiger Kunstinstitutionen (Galerien, Museen Kunsthandel) statt.
Jeder Mensch ist kreativ sonst wäre menschliches Leben nicht möglich!
Das kreative Potential außerhalb privater Atmosphäre kam nie zum Vorschein! —und wenn, dann wurde es nicht bemerkt!!!—
Es fehlte das reagierende Publikum, die aufmerksame Öffentlichkeit!
George Maciunas aktivierte eine zufällige Öffentlichkeit mit gezeigten Beispielen und provozierte damit zu ungewohnten Denk- und Handlungsaktionen!-
Fluxus wird geboren!
Ungewollt, aber willkommen, entwickelte sich eine kommunikative Integration, indem aktivierende Pfade gelegt werden; konstruktive Reaktionen (Mitspielen) wurden Bestandteile von kreativen Provokationen, zum kreativen, ungewohntem Mit- und Zusammenspiel wurde aufgefordert.
Denk- und Handlungsweisen wurden über verfremdete Aufforderungen bewusst!
Außer Ruf- und Sichtweite wurde die Post ein willkommenes Medium der Verteilung.
Briefe, Karten, Päckchen u. ähnliches Postsachen, versehen mit Stempeln und beliebigem, Collagematerial wurden über gezielte Gedanken ausgetauscht.
Die inflationäre leichte Möglichkeit des Mitmachens hatte zur Folge, dass die produzierten Resultate einfach und oft primitiv waren; Sie verflachten bisweilen bis zum puren Nonsens!!
Resultate mussten sortiert und juriert werden, um wieder in einen intelligenten Horizont zu kommen
Der Brief- und Postversand blieben als Stationen der Distribution bestehen.
Qualitätskriterien bestimmten den neuen kontrollierten Ablauf des kreativen Spiels.
Das neue anspruchsvollere „Bildmaterial“ bestand hauptsächlich aus den Grundlagen des Lesens und Schreibens: Texte, Wörter, Buchstaben, Teile von Buchstaben, Wort- und buchstabenähnliche Zeichen.
Das klassische und fast jedermann zugängliche und von jedem beherrschte Verfahren des Lesens und Schreibens wurde erster Arbeitsinhalt für die Auswahl.
Man besann sich auf alte Traditionen: Symbolismus, Lettrismus, Strukturalismus,...
Das breite Feld der visuellen und konkreten, also der gesamten experimentellen Poesie entwickelte sich zur exklusiven, qualitativ aufgewerteten Mail art.
Eine Wiederentdeckung alter historisch bewährter künstlerischer Werte ist festzustellen.
Die Spitze eine fast 20 jährigen Arbeit von Cesar Espinoza über 7 Biennalen hinweg hat zu einem Punkt geführt, an dem die „experimentelle Poesie“ innerhalb der weltweiten internationalen Kunstlandschaft eine stabile fest Plattform gefunden hat.
Der große Bogen von Malarmé (1850), Lewis Caroll (1865) über Morgenstern (1905), über Appolinaire (1914), Schwitters (1920), Tristan Tzara bis zur Gegenwart wie Gomringer, Jandl, Kolar, Valoch, Lora –Totino, Dick Higgins, Todorovic, Clemente Padin und alle die, die wir so kennen.
Mail art and the Experimental poetry
-comparison and supplement- (Dr. Klaus Groh)
Both art appearances take place mainly beyond usual art institutions (galleries, museums, art trade).
Every person is creatively, otherwise human life would not be possible!
The creative potential beyond private atmosphere mostly never appears! And if so, it seldom was be aware!!! –
There was no reacting public, no attentive(considerate) public!
George Maciunas activated a public accidental with shown examples and provoked with it for unusual mental and physical actions! –
Fluxus was born!
Unintentionally, but welcome, a communicative integration developed itself, while activating paths are put down; constructive reactions (playing together) became components of creative provocations, unusual creative play and teamwork was requested.
Ways of thinking and ways of acting are realized by alienated demands!
Beyond the face to face of vision the postal system became a welcome medium of the distribution.
Letters, tickets(maps), packages u. similar post things, provided with stamps and arbitrary collaging material were exchanged about aimed thoughts.
The inflationary easy possibility of cooperating resulted in, that the produced results were simple and were often primitive; They flattened now and then up to pure nonsense!!
Results had to become sorts and juriert to come again into an intelligent horizon. Letters and post dispatch continued as stations of distribution.
Criterias of quality determined the new controlled expiration of the creative game. The new more demanding "pictures" existed (consisted) mainly of the bases of reading and writing: texts, words, letters, parts of letters, similarities to words and marks similar to letters became the material of acting.
The classic and almost from each accessible and from everybody controlled procedure of the reading and writing became the first working content for the different choices.
One reflected on old traditions: symbolism, lettrism, structuralism...
The wide field of visual and concrete, in short, the whole experimental poetry developed itself into an exclusive, qualitatively revalued new mail art. The re-discovering of old historically proved artistic values is to be stated.
The top of almost 20-years-qualified artistic work of Cesar Espinoza via more than 7 biennales has led away to a point in which the " experimental poetry " within the world-wide international art landscape has found a stable firmly platform.
The big curve from Malarmé (1850), Lewis Caroll (1865) to Morgenstern (1905), about Appolinaire (1914), Schwitters (1920), Tristan Tzara up to present like Gomringer, Jandl, Kolar, Valoch, Lora-Totino, Dick Higgins, Todorovic, Clemente Padin and all the other we know.
4.Visuelle und Konkrete Poesie
Es wäre falsch, das Etikett "modernistisch"
auf Beispiele der
visuellen & konkreten Poesie zu kleben.
Bildschrift und Schriftbild
stehen seit der freien, demokratischen Benutzung für alle
Leser und Schreiber
nicht nur zum Transport von Informationen zur Verfügung,
sondern sie dienen ebenfalls
zur visuellen Interpretation von Erfahrungen.
Sie dienen einer alternativen Kommunikation!
Ihre Entwicklung ist historisch:
auf Seiten der Literaten begann es mit Stephane Mallarmé.
Futurismus, DaDa, und DeStijl
geben viele Beispiele.
Fillippo Tommaso Marinetti ( 1876-1944) rief zur
"Befreiung der Worte" auf.
Lewis Caroll liess (1864) in seinem Nonsense-Roman
"Alice im Wunderland"
Wörter in Mauseschwanzwindungen über das Blatt tänzeln.
Guillaume Apollinaire mit seinen Kalligrammen,
Mallarmé mit seinen "Würfelgedichten",
und Hugo Ball, sowie der Bauhausmeister Laszlo Moholy-Nagy
lieferten viele Beispiele.
Die Sprache erscheint nicht "nach Vorschrift",
sie wird verschriftet.
Die Schrift wird Spielzeug!
Das Bild wird Schrift"!
Die Schrift wird Bild!
(c) Klaus Groh (2004)